Rue Adrien Lachenal: Die Genfer Altstadt Erhält Eine Neue Fussgängerzone
Rue Adrien Lachenal – eine der ruhigeren Strassen in Genfs Quartier des Eaux-Vives – erlebt derzeit eine bemerkenswerte Verwandlung. Die Stadtverwaltung hat beschlossen, den Abschnitt zwischen dem Boulevard Georges-Favon und der Rue de la Vallée d'Entremont ab Mitte 2026 in eine autofreie Zone umzuwandeln. Anwohner und Gewerbetreibende reagieren gemischt: Von Euphorie bis zu verhaltener Skepsis ist alles dabei.
Die Umgestaltung der rue adrien lachenal ist Teil eines grösseren Mobilitätskonzepts, das die Aufenthaltsqualität im Quartier verbessern soll. Bisher war die Strasse vor allem als Durchgangsroute bekannt, jetzt soll sie zum Treffpunkt werden. Die Bauarbeiten beginnen im September 2026, wie die Stadt Genf am Dienstag mitteilte. Vor allem junge Familien und lokale Künstler sehen darin eine Chance.
Geschichte der Rue Adrien Lachenal: Vom Juristen zur Strasse
Benannt wurde die Strasse nach Adrien Lachenal, einem Schweizer Bundesrat und Juristen, der von 1849 bis 1918 lebte. Er war massgeblich an der Vereinheitlichung des schweizerischen Obligationenrechts beteiligt. Die Strasse selbst ist eher schmal, gesäumt von Altbauten aus der Belle Époque. Einige Häuser stammen aus den 1880er-Jahren, andere wurden nach dem Zweiten Weltkrieg ergänzt. Lange war sie ein stiller Nebenarm – bis jetzt.
Warum gerade jetzt? Der Druck von Anwohnern und Umweltverbänden
Seit Jahren fordern Initiativen weniger Autoverkehr in den Wohnquartieren. Die Rue Adrien Lachenal war besonders betroffen: Morgens Stau, abends Parkplatznot. Die Umweltorganisation «Genève Respire» sammelte über 1.200 Unterschriften für eine Verkehrsberuhigung. Nun hat der Stadtrat reagiert – und eine Fussgängerzone beschlossen, die grösste im Quartier seit der Umgestaltung der Place de la Navigation. Die Kosten betragen rund 2,4 Millionen Franken.
Neue Gastronomie: Bistros und Cafés planen Terrassen
Bereits jetzt zeichnen sich konkrete Pläne ab. Drei Gastronomen haben Interesse angemeldet, ihre Terrassen auf die neue Fussgängerzone auszudehnen. Ein italienisches Feinkostgeschäft in der Rue Adrien Lachenal will einen eigenen Aussenbereich schaffen. «Endlich kann man hier ohne Autolärm sitzen», sagt der Inhaber gegenüber der Lokalzeitung. Auch ein Pop-up-Restaurant mit portugiesischer Küche ist im Gespräch.
Kritik der Autofahrer: Parkplatzverlust und Umwege
Nicht alle sind begeistert. Der Gewerbeverein Eaux-Vives warnt vor einem Parkplatzdesaster. Rund 40 Stellplätze fallen weg, darunter zwei Behindertenparkplätze. Die Umleitung des Verkehrs über die Rue de la Vallée d'Entremont sorgt für Diskussionen. «Die Strasse wird zur Sackgasse für Autofahrer», sagt ein langjähriger Anwohner. Die Stadt verspricht jedoch, bis Ende 2026 Ersatzparkplätze in einer Tiefgarage am Boulevard Georges-Favon zu schaffen.
Kulturelle Aufwertung: Kunstinstallationen an der Rue Adrien Lachenal
Die Umgestaltung soll auch kulturell genutzt werden. Das städtische Kulturamt plant, die Rue Adrien Lachenal temporär mit Installationen lokaler Künstler zu bespielen. Ein Projekt namens «Lachenal Lumière» sieht Lichtskulpturen vor, die die Fassaden der Altbauten illuminieren. Die Eröffnung ist für Oktober 2026 vorgesehen, passend zu den Genfer Kulturtagen. «Eine Strasse wird zur Bühne», sagt die Kuratorin.
Ausblick: Wie sich das Quartier Eaux-Vives verändern wird
Die Rue Adrien Lachenal ist nur ein Mosaikstein in der Neugestaltung der Eaux-Vives. Auch die angrenzende Rue de la Navigation und der Park La Grange werden derzeit aufgewertet. Immobilienexperten rechnen mit steigenden Mieten, aber auch mit mehr Lebensqualität. Die Stadt Genf hofft, dass das Viertel dadurch noch familienfreundlicher wird. Ob die Fussgängerzone ein Erfolg wird, zeigt sich frühestens im Frühjahr 2027 – wenn die ersten Bäume gepflanzt und die letzten Bagger abgezogen sind.
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